Inzwischen ist es eine weithin bekannte und akzeptierte Tatsache in der Mittelalterszene: unter das Kettenhemd gehört ein Gambeson. Das war auch mir klar - damals vor etwa acht Jahren. Also kaufte ich von einem Kumpel für eigentlich zu viel Geld einen gebrauchten Gambeson. Und das sah dann so aus, wie auf dem Bild zu sehen ist. Das Bild ist mit Absicht so klein. Das 'Ding' hat zwar mittlerweile eine schöne Patina bekommen, aber das ist neben der ungefähren Form auch das Einzig halbwegs historische daran. Baumwolle als Außenlage, Maschinennähte in einem seltsamen Rautenmuster und als Krönung eine "Fütterung" aus irgendeiner Kunststofffaser. Deren Existenz bemerkt man mittlerweile auch nur noch dadurch, dass weiße Dinge heraus quillen, wenn irgendwo ein Riss in der Außenschicht ist.
Die Idee war also beide Varianten zu kombinieren. Der Aketon sollte nach der ersten Variante gefertigt werden. Bei den Armen ist eine höhere Beweglichkeit wichtiger als perfekter Schutz. Das spiegelt sich meiner Meinung nach auch in den kurzärmeligen Rüstungsformen wieder: erst Ende des 12.Jh. bekommt der Hauberk lange Ärmel und auch dann findet man noch vereinzelt Abbildungen von kurzärmeligen Varianten. Gleiches gilt für die wattierten Rüstungen in der Maciejowski-Bibel. Wird ein solcher Aketon unter einem Hauberk getragen, spielt die Schnittschutzwirkung eh eine untergeordnete Rolle. Der Gambeson - also die ärmellose Weste - sollte hingegen aus mehreren Lagen Leinen bestehen. Bei der Weste ist es relativ egal, ob sie elastisch ist, da sich der Torso beim Kampf weitaus weniger bewegt, als beispielsweise die Arme. Gleichzeitig sitzen hier aber vitale Organe, deren Beschädigung erhebliche Performance-Einbußen ihres Besitzers zur Folge haben dürfte. Ein zertrümmerter Unterarm ist äußerst unangenehm und führt schlimmstenfalls langfristig zum Ableben, aber ein zertrümmerter Brustkasten stellt einen vor unmittelbare Existenzprobleme.Nicolle, David: Kriegstechnologie und Waffenherstellung 1050-1350 n.Chr., in: Die Kreuzzüge. Kein Krieg ist heilig, hrsg. v. Hans-Jürgen Kotzur, Mainz: Philipp von Zabern, 2004, S.97-115.
Nicolle, David: Knight Hospitaller (1) 1100 - 1306, Warrior, Band 33, Oxford: Osprey Publishing ltd., 2001.
| Französische Statue aus Ouville l'Abbaye (Musée des Antiquités, Rouen) | ![]() |
Unter dem Hauberk ist vermutlich der Kragen eines Aketons zu erkennen. Der Stoff ist sehr eng abgesteppt, wodurch der Aketon recht steif wäre. Wenn der Maßstab stimmt, wäre der Aketon relativ dünn.
Nicolle, David: Knight Hospitaller (1) 1100 - 1306, Warrior, Band 33, Oxford: Osprey Publishing ltd., 2001, S.28 |
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"But before the fight was over, there came into it a knight of the following of Henry, the brother, of Count Baldwin of Flanders and Hainault, and his name was Eustace of Marchais; and he was armed only in padded vest and steel cap, with his shield at his neck; and he did so well in the fray that he won to himself great honour."
Villehardouin: Memoirs or Chronicle of The Fourth Crusade and The Conquest of Constantinople
"Where military formations are fighting in open country, knights are both protected and decorated by heavy and complicated armour, made of iron and linen."
Giraldus Cambrensis, Expugnatio Hibernica zitiert nach Scott und Martin, S. 246-7 in: Verbruggen, J.F., The Art of Warfare in Western Europe during the Middle Ages, 2. Auflage, Woodbridge, 1997
Beha ed-Din, der Biograph von Saladin, beschreibt den Marsch des Heeres von Richard Löwenherz im Jahr 1191:
"Each foot-soldier wore armour made of very heavy felt, and so stout a coat of mail that our arrows did no harm."
Beha ed-Din, Anecdotes et beaux traits de la vie du Sultan Youssof (Salah ed-din), RHC, Hist. or., pp. 251-2, zitiert nach Verbruggen, J.F., The Art of Warfare in Western Europe during the Middle Ages, 2. Auflage, Woodbridge, 1997, S. 235
The Assize of Arms (Wehrordnung) des englischen Königs Heinrich II (1181)
"3. All burgesses and the whole community of freemen shall have [each] a gambeson, an iron cap, and a lance."
Aketon, schwer von einer cote-hardie zu unterscheiden, engsitzende Herrenjacke mit Taillenlänge, die entweder wattiert ist oder aus mehreren Schichten Leinen oder Hanf besteht. In beiden Fällen wurden Futterwattierung und Außenmaterial durch Absteppen oder regelmäßiges Durchziehen aller Schichten mit kleinen Befestigungsmaschen zusammengehalten. Mit zieml. Sicherheit kann man annehmen, daß der gesteppte Panzer der Sarazenen, der durch die Kreuzritter eingeführt wurde, als Vorbild für den A. diente, der ein Teil der Haute Couture im 14. Jh. wurde. Da er von Kg.en und dem Adel getragen wurde, bestand der äußere Bezug oft aus teurer importierter Seide. Einzelheiten über die Stoffe, die 1330 für Aketon verwendet wurden, und über Anfertigungskosten befinden sich in Ms. 541, Society of Antiquaries, London. Im späteren 15. Jh. wurden einfachere Arten von A. von gewöhnl. Soldaten ganz Europas getragen.
Newton, S.M.: Aketon, in: Das Lexikon des Mittelalters, Band I, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003, S.251.
"Gambeson (frz. von dt. Wams), dick gepolstertes Kleidungsstück als Unterlage für das Panzerhemd (-> Halsberg), das mindestens seit dem 12.Jh. nachweisbar, in der 2.Hälfte des 14.Jh. mit dem Aufkommen des Plattenharschisces (-> Harnisch) aus der ritterl. Rüstung verschwindet. Der G. wurde vo, ärmeren Fußvolk oft bis ins SpätMA als einziger Körperschutz getragen."
Lit.: V. Gay, Glossaire Archéol. I, 1887
Gamber, O.: Gambeson, in: Das Lexikon des Mittelalters, Band IV, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003, S.1102.
"Gambeson (frz., m., auch gamboison oder cotte à armour), ähnlich dem Doublet unterder Rüstung getragenes, abgestepptes und wattiertes Untergewand. Im schnitt tunikaartig reicht der G. maximal bis zu den Knien. Verwendung findetder G. laut schriftlicher Quellen vom 12. bis zum 14. Jh. -> Steppwams."
Vavra, Elisabeth: Gambeson, in: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom Alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter, hrsg.v. Harry Kühnel, Stuttgart: Kröner, 1992, S.86.
"Wams (engl., frz. doublet, pourpoint), Bezeichnung für ein vorwiegend von Männern getragenes Kleidungsstück (Leib = ahd. wamba; Leibchen = wambeis, wambes, mhd. wammes); in schriftl. Q.n ab 1200 in den Formen wambeis, wambois, wambis als Terminus für eine unter der Rüstung getragene dicke Jacke gebraucht, afrz. wambais, gambais, auch weitergebildet zu gambison, gambeson. Das unter der Rüstung getragene W. reicht über die Hüften, ist aus derbem Stoff, oft Filz, und wird gepolstert und gesteppt. Im 14. Jh. entwickelt es sich zum eigenständigen Bestandteil der männl. Oberkleidung, der sich der mod. Verengung und Kürzung der Kleidung anpaßt."
Lit.:
Grimm, DWB XIII, 1456-1467
L.C. Eisenbart, Kleiderordnungen der dt. Städte zw. 1350 und 1700 (Göttinger Bausteine zur Gesch.swiss. 32, 1962)
F. Piponnier, Costume et vie sociale. Le Cour d'Anjou XIVe-XVe s., 1970
St. M. Newton, Fashion in the Age of the Black Prince, 1980.
Vavra, E.: Wams, in: Das Lexikon des Mittelalters, Band IX, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003, S.2008.
"Steppwams (mhs. jope, n.), unter dem Ringelpanzer getragener knielanger abgesteppter Rock mit oder ohne Ärmel. Ist von der 2.Hälfte 12.Jh. bis isn 14.Jh. in Verwendung."
Krenn, Peter: Steppwams, in: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom Alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter, hrsg.v. Harry Kühnel, Stuttgart: Kröner, 1992, S.245.
Hoqueton (engl. aketon), von arab. al-qutn ('Baumwolle') abgeleitete frz. Bezeichnung für einen gefütterten und abgesteppten Stoffpanzer des 13. und 14. Jh., der entweder als Unterlage für den Ringelpanzer oder als dessen billiger Ersatz diente.
Gamber, O.: Hoqueton, in: Das Lexikon des Mittelalters, Band V, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003, S.123.
"Hoqueton (frz., m., auch Aketon), ab dem 13.Jh. in Quellen erwähnt, Abart des Gambeson: unter dem Kettenhemd getragene wattierte Steppjacke."
Vavra, Elisabeth: Hoqueton, in: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom Alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter, hrsg.v. Harry Kühnel, Stuttgart: Kröner, 1992, S.118.
"It is likely that a padded tunic, known as the aketon (from the Arabic word al-qutun for 'cotton'), wambais, purpoint or gambeson, was worn under the mail. Though mail moves easily, its very flexibility means that a powerful blow can result in bruising or even broken bones without the links being torn. If mail links were cut, they could be driven back into the wound, increasing the likelihood of septicaemia. In the early 13th century Guillaume le Breton, writing of a fight some years before between William de Barres and the future Richard I, describes the lance piercing shield, hauberk and aketon. Gerald de Barri, writing in the late 12th century, mentions a leather tunic worn under mail, which may have been an alternative to an aketon. Padded aketons seem to have consisted of two layers of cotton stuffed with wool, cotton, old rags or similar, and held in place by vertical or occasionally trellis, stitching. Later versions are known to have been made from numerous thicknesses of linen, and this may have been an alternative style. Some examples worn by infantry in illustrations in the mid-13th century French Maciejowski Bible seem to have inset sleeves, since nowhere do they vary in colour to suggest a sleeved coat over a sleeveless version (although gambesons are sometimes referred to as being worn over an aketon). However, it is not known if examples worn beneath mail were similar. Some gambesons, perhaps those mentioned as made of silks and other rich materials, were occasionally worn over mail and, at the end of the century, over coat of plates.
Gravet, Christopher. English Medieval Knight 1200 - 1300. Vol. 48, Warrior. Oxford: Osprey Publishing Ltd., 2002. S.23
"[..] afeutreure which may have been an early form of soft-armour worn beneath the hauberk [..]Im 'Old-French - English Dictionary' steht zu afeutreure: padded part of a saddle; padding, cloth (for horse's back and neck); padded clothing.
"The quilted aketon, gambais and gambesons were worn beneath, or sometimes over, other armopur in the 13th century, but in the Middle East knights [..] sometimes wore quilted armour without the heavier mail hauberk, particularly in summer, when scouting or harrasing the enemy as light cavalry."
Nicolle, David. Knight Hospitaller (1) 1100 - 1306, Warrior, Band 33, Oxford: Osprey Publishing ltd., 2001, S.27.
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