Gambeson, Aketon und Polsterwams

Einleitung

Inzwischen ist es eine weithin bekannte und akzeptierte Tatsache in der Mittelalterszene: unter das Kettenhemd gehört ein Gambeson. Das war auch mir klar - damals vor etwa acht Jahren. Also kaufte ich von einem Kumpel für eigentlich zu viel Geld einen gebrauchten Gambeson. Und das sah dann so aus, wie auf dem Bild zu sehen ist. Das Bild ist mit Absicht so klein. Das 'Ding' hat zwar mittlerweile eine schöne Patina bekommen, aber das ist neben der ungefähren Form auch das Einzig halbwegs historische daran. Baumwolle als Außenlage, Maschinennähte in einem seltsamen Rautenmuster und als Krönung eine "Fütterung" aus irgendeiner Kunststofffaser. Deren Existenz bemerkt man mittlerweile auch nur noch dadurch, dass weiße Dinge heraus quillen, wenn irgendwo ein Riss in der Außenschicht ist.
Bald war klar, dass dringend Ersatz her musste. Die ersten Pläne enthielten auf der Einkaufsliste so ketzerische Dinge wie Steppdecken. Heißt ja auch Steppwams... Dankenswerterweise hat meine Mutter mir die Decken abgekauft und diese Peinlichkeit blieb mir erspart. Der nächste Plan war filzbasiert. Leinen war auch schon gekauft aber dann erlebte ich beim Nähen mein persönliches Hattin und der Plan lag lange, lange auf Eis und grinste mich böse aus der Ecke an. Das änderte sich erst im Frühjahr 2007, als in Herzberg neben uns ein polnischer Handwerker lagerte, der alle möglichen Polsterrüstungsteile fertigte.

Versuch einer Rekonstruktion

In der Mittelalterszene hat sich als Begriff für eine textile Rüstung das Wort Gambeson ziemlich fest etabliert. Manchmal trifft man auch auf das Wort Aketon aber nur selten auf jemand, der einem wirklich den Unterschied erklären kann. Wenn man ein bisschen in Lexika blättert (siehe Begriffserklärungen) stößt man auf wambeis, pourpoint, jope und dergleichen mehr. Verlässt man den mitteleuropäische Bereich wird die Vielfalt an Bezeichnungen noch sehr viel größer. David Nicolle [Nicolle, 2004] spricht beispielsweise von djadchvi, jubbah, zirih, cebe, gebelü oder jubbah. All diese Begriffe bezeichnen textile Rüstungen und finden sich oft vergesellschaftet mit "wahrscheinlich", "vermutlich" oder "eventuell".
Generell ist die Quellenlage eher dürftig. Gerade über die Herstellung dieser textilen Rüstungen findet sich kaum etwas. Auch bildliche Darstellungen sind eher selten. Die bekannte Maciejowski-Bibel stellt für das hohe Mittelalter eine erfreuliche Ausnahme dar und wird in den Diskussionen im Mittelalter Internetforum Tempus-Vivit gerne und häufig zitiert. Hier bin ich erstmals auf die Idee gestoßen, dass es sich bei den dargestellten Rüstungen um eine mehrteilige Konstruktion handeln könnte. Dies lässt sich an der unterschiedlichen Farbgebung der Einzelteile und den Übergängen von Schulter zu Ärmel festmachen. Auf der Seite von Historia Vivens 1300 gibt es eine Rekonstruktion, bei welcher es einen separaten Kragen gibt. Die Aufteilung in mehrere Teile erscheint sinnvoll. Die einzelnen Teile können sich gegeneinander verschieben und behindern so die Bewegung weniger, als wenn sie miteinander verbunden wären, bieten aber trotzdem einen erhöhten Schutz. Durch die Überlappung werden außerdem die Schlitze, die für das Anziehen unabdingbar sind, sicherer abgedeckt.
In Nicolle (2001, S.59) wird diese Idee in ähnlicher Form beschrieben. Am Beispiel eines Johanniter Ritters um 1230 wird dessen Rüstung erläutert. Laut dem Autor wird nicht nur unter dem Hauberk, sondern auch darüber eine wattierte Textilrüstung getragen (Leider wird hier keine Quelle genannt, eine allgemeine Unart der Osprey-Bände). Ähnliche Äußerungen waren mir bis dahin nur aus dem späten Mittelalter bekannt, wenn auch nur vom Hörensagen. Soweit ich mich erinnere wurde so argumentiert, dass die Textilrüstungen aus mehreren Lagen Leinen ähnlich den heutigen Schutzschürzen der Holzfäller funktioniert. Bei diesen sind die Lagen quer zueinander vernäht, wodurch sich die Kette der Kettensäge im Stoff verfängt. So ähnlich soll es auch bei Pfeilen funktionieren. Ein Pfeil mit einer Bodkinspitze, der nicht im optimalen Winkel (und nicht aus nächster Nähe) auf ein Kettenhemd trifft, wird durch die Ringe kanalisiert und bohrt sich dann quasi senkrecht durch den Stoff. Trifft er aber erst auf eine mehrlagige Textilrüstung, wird seine Wucht erst gebremst, bevor er auf die Ringe trifft. Ein Kanalisieren ist dann wahrscheinlich nur noch eingeschränkt möglich. Ob diese Aussage richtig ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, vollkommen unlogisch klingt sie nicht.
David Nicolle (2001, S.59) verwendet bei seiner Beschreibung für die Rüstung unter dem Hauberk den Begriff Aketon, während er die darüber liegende Weste als Gambeson bezeichnet. Im Folgenden werde ich mich ebenfalls dieser Terminologie bedienen, nicht weil ich davon überzeugt bin, dass es so richtig ist, sondern nur um des einfacheren Verständnisses willen. Eine solche Weste wird möglicherweise von Villhardouin, dem Chronisten des 4. Kreuzzuges, beschrieben. (siehe Quellen)
Bei einer reinen Textilrüstung hat man zwei Möglichkeiten: 1. man nimmt zwei Lagen eines Stoffes und füllt den Zwischenraum mit einem anderen Material oder 2. man nimmt einfach x Lagen des gleichen Stoffes. Die erste Variante wird in der Regel etwas weicher und eignet sich daher gut um die Wucht eines Hiebes zu dämpfen. Sie ist auch besser komprimierbar und schränkt daher die Bewegung weniger ein. Als Füllstoff kommen Wolle, später Rohbaumwolle und wahrscheinlich auch Stoffreste in Frage. Filz soll es laut Aussage von Prof. Dr. Schmidt von der PH Weingarten - im Rahmen eines Gesprächsabends auf der Bachritterburg in Kanzach - im mitteleuropäischen Raum nicht gegeben haben, da sich die Wolle der vorhandenen Schafrassen nicht zum Filzen geeignet hätten. Die zweite Variante wird recht steif und gibt die Wucht eines Schlages relativ ungebremst an das darunter liegende Gewebe weiter. Allein die Verteilung auf eine größere Fläche wirkt hier dämpfend. Allerdings ist die Schutzwirkung gegen Schnitte bedeutend höher und auch gegen Beschuss sollte eine solche Rüstung besser schützen.
Die Idee war also beide Varianten zu kombinieren. Der Aketon sollte nach der ersten Variante gefertigt werden. Bei den Armen ist eine höhere Beweglichkeit wichtiger als perfekter Schutz. Das spiegelt sich meiner Meinung nach auch in den kurzärmeligen Rüstungsformen wieder: erst Ende des 12.Jh. bekommt der Hauberk lange Ärmel und auch dann findet man noch vereinzelt Abbildungen von kurzärmeligen Varianten. Gleiches gilt für die wattierten Rüstungen in der Maciejowski-Bibel. Wird ein solcher Aketon unter einem Hauberk getragen, spielt die Schnittschutzwirkung eh eine untergeordnete Rolle. Der Gambeson - also die ärmellose Weste - sollte hingegen aus mehreren Lagen Leinen bestehen. Bei der Weste ist es relativ egal, ob sie elastisch ist, da sich der Torso beim Kampf weitaus weniger bewegt, als beispielsweise die Arme. Gleichzeitig sitzen hier aber vitale Organe, deren Beschädigung erhebliche Performance-Einbußen ihres Besitzers zur Folge haben dürfte. Ein zertrümmerter Unterarm ist äußerst unangenehm und führt schlimmstenfalls langfristig zum Ableben, aber ein zertrümmerter Brustkasten stellt einen vor unmittelbare Existenzprobleme.
Ursprünglich war noch angedacht als dritten Bestandteil einen separaten Kragen zu fertigen, der dann zwischen Aketon und Gambeson getragen werden sollte. Dabei sollte vor allem die Halspartie möglichst dick werden, während der restliche Kragen relativ dünn gehalten werden sollte.
Auf den Ritterspielen auf Burg Herzberg bin ich auf Marcin Rogowski getroffen. Mit ihm habe ich länger über das Projekt gesprochen. Dabei ist dann der Kragen einem Verständigungsproblem zum Opfer gefallen. Der Aketon besteht aus zwei Lagen dickem Leinen und ist mit Rohwolle gefüttert. An den Stellen mit der größten Bewegung, also Armbeuge und Schulter, ist die Polsterung quasi nicht vorhanden um möglichst wenig Einschränkung zu bieten. Der Schlitz zum Anziehen befindet sich auf der linken Seite (die vom Schild geschützt wird) und ist mit einem verlängerten und gepolsterten Stoffstück unterlegt. Geschlossen wird der Aketon am Hals mittels zweiert Stoffknöpfe, so wie man es auf den Abbildungen der Maciejowski-Bibel sieht. Der Gambeson besteht aus vier Lagen desselben Leinens, hat aber auch noch eine Füllung mit Wolle erhalten, die aber nicht so dick ausfällt, wie bei dem Aketon. Wie zu erwarten ist er bedeutend steifer.
Von meinem ersten "Gambesonähnlichem-Ding" zu dieser Textilrüstung ist es natürlich ein großer Schritt. Die Bewegung ist merklich eingeschränkt und man fühlt sich noch sehr wie der Marshmallow-Mann aus Ghostbusters. Ich gehe davon aus, dass das Material noch etwas weicher wird und auch ein gewisser Gewöhnungseffekt eintreten wird. Die Schlagschutzwirkung finde ich beachtlich. Schläge mit einem Schaukampfschwert können mit relativ hoher Wucht durchgeführt werden, ohne dass es wirklich schmerzhaft wird.

Nicolle, David: Kriegstechnologie und Waffenherstellung 1050-1350 n.Chr., in: Die Kreuzzüge. Kein Krieg ist heilig, hrsg. v. Hans-Jürgen Kotzur, Mainz: Philipp von Zabern, 2004, S.97-115.

Nicolle, David: Knight Hospitaller (1) 1100 - 1306, Warrior, Band 33, Oxford: Osprey Publishing ltd., 2001.

Bildquellen

Maciejowski-Bibel (Pierpont Morgan Library, New York, Ms M. 638)
Die Abbildung deutet auf einen Gambeson in mind. zwei Teilen hin. Die Weste zeigt einen deutlichen Abschluß an den Schultern. Durch den Gürtel wird der Gambeson stark zusammen gerafft, was eigentlich dagegen spricht, dass der Gambeson eine größerer Dicke besitzt. Klar zu erkennen ist auch der Verschluß am Hals, der aus zwei Knöpfen besteht. Der untere Rand des Gambesons ist gerade. Sehr interessant ist der linke Handschuh, der Finger hat. Bei genauem Hinschauen erkennt man am rechten Handschuhe eine Linie entlang des Handgelenkes, möglicherweise ein Hinweis auf separate Handschuhe. Hier weißt der Zeichenstil der Schultern noch deutlicher auf eine mehrteilige Rüstung. Allerdings ist unter der Weste keine weitere Rüstung zu erkennen, was entweder gegen einen mehrteiligen Gambeson oder zumindest für ein kürzeres Unterteil spricht. Im Gegensatz zur linken Abbildung ist der Abschluß hier unten gezaddelt, wahrscheinlich eine Modeerscheinung. Zu beachten ist hier noch der farbig abgesetzte Halsschutz, was zu der Spekulation geführt hat, dass es separates Kragenteil gegeben haben könnte.
Der Ausschnitt an der Schulter lässt eine zweiteilige Rüstung stark vermuten. Der Faltenwurf am Gürtel spricht wieder gegen eine steife (dicke) Rüstung. Gambesons mit halben Arm sieht man häufiger in der Bibel. Man hat dadurch den Vorteil, dass es an der Stelle der größten Bewegung, nämlich der Armbeuge, weniger Widerstand gibt und dadurch die Bewegung weniger eingeschränkt ist. Die meisten Gambesons in der Bibel haben entweder lange Ärmel mit (angesetzten) Handschuhen oder kurze Ärmel, während hier ausnahmsweise ein langärmeliger Gambeson ohne Handschuhe gezeigt wird.


Kapitel in der Kirche von St.Calmin (Mozac, Zentralfrankreich)
Kapitel in der Kirche von St.Calmin (Mozac, Zentralfrankreich) Dies könnte eine der ganz wenigen Quellen sein, die einen Aketon unter einem Kettenhemd zeigt. Auch wenn auf vielen Abbildungen Stoff unter dem Kettenhemd zu erkennen ist, so lässt der Faltenwurf dort in fast allen Fällen auf ein Kleidungsstück aus einer Lage Stoff schließen. Bei diesm Beispiel hier sind hingegen quasi parallele, fast senkrechte Sriche zu erkennen, so als würde das Kleidungsstück unter dem Kettenhemd sehr steif sein, so wie das bei einem gesteppten oder aus mehreren Lagen Leinen bestehenden Aketon der Fall wäre.

Nicolle, David: Knight Hospitaller (1) 1100 - 1306, Warrior, Band 33, Oxford: Osprey Publishing ltd., 2001, S.10



Französische Statue aus Ouville l'Abbaye (Musée des Antiquités, Rouen)
Französische Statue aus Ouville l'Abbaye (Musée des Antiquités, Rouen) Unter dem Hauberk ist vermutlich der Kragen eines Aketons zu erkennen. Der Stoff ist sehr eng abgesteppt, wodurch der Aketon recht steif wäre. Wenn der Maßstab stimmt, wäre der Aketon relativ dünn.

Nicolle, David: Knight Hospitaller (1) 1100 - 1306, Warrior, Band 33, Oxford: Osprey Publishing ltd., 2001, S.28



Schwedische Holzmalerei aus der Dädsjö Kirche, Smaland
Schwedische Holzmalerei aus der Dädsjö Kirche, Smaland Auch hier deuten die senkrechten, parallelen Linien auf ein steifes Kleidungsstück hin. Dies wird besonders im Kontrast zu dem weiten Hemd, das unter dem Hauberk getragen wird, deutlich. Interessant ist die Länge des Aketons: er reicht bis sdeutlich über das Knie.

Lindholm, David und Nicolle, David: The Scandinavian Baltic Crusades 1100 - 1500, Men At Arms, Band 436, Oxford: Osprey Publishing ltd., 2007, S.45

Quellen

"But before the fight was over, there came into it a knight of the following of Henry, the brother, of Count Baldwin of Flanders and Hainault, and his name was Eustace of Marchais; and he was armed only in padded vest and steel cap, with his shield at his neck; and he did so well in the fray that he won to himself great honour."

Villehardouin: Memoirs or Chronicle of The Fourth Crusade and The Conquest of Constantinople


"Where military formations are fighting in open country, knights are both protected and decorated by heavy and complicated armour, made of iron and linen."

Giraldus Cambrensis, Expugnatio Hibernica zitiert nach Scott und Martin, S. 246-7 in: Verbruggen, J.F., The Art of Warfare in Western Europe during the Middle Ages, 2. Auflage, Woodbridge, 1997


Beha ed-Din, der Biograph von Saladin, beschreibt den Marsch des Heeres von Richard Löwenherz im Jahr 1191:

"Each foot-soldier wore armour made of very heavy felt, and so stout a coat of mail that our arrows did no harm."

Beha ed-Din, Anecdotes et beaux traits de la vie du Sultan Youssof (Salah ed-din), RHC, Hist. or., pp. 251-2, zitiert nach Verbruggen, J.F., The Art of Warfare in Western Europe during the Middle Ages, 2. Auflage, Woodbridge, 1997, S. 235


The Assize of Arms (Wehrordnung) des englischen Königs Heinrich II (1181)

"3. All burgesses and the whole community of freemen shall have [each] a gambeson, an iron cap, and a lance."



Begriffsdefinitionen

Aketon

Aketon, schwer von einer cote-hardie zu unterscheiden, engsitzende Herrenjacke mit Taillenlänge, die entweder wattiert ist oder aus mehreren Schichten Leinen oder Hanf besteht. In beiden Fällen wurden Futterwattierung und Außenmaterial durch Absteppen oder regelmäßiges Durchziehen aller Schichten mit kleinen Befestigungsmaschen zusammengehalten. Mit zieml. Sicherheit kann man annehmen, daß der gesteppte Panzer der Sarazenen, der durch die Kreuzritter eingeführt wurde, als Vorbild für den A. diente, der ein Teil der Haute Couture im 14. Jh. wurde. Da er von Kg.en und dem Adel getragen wurde, bestand der äußere Bezug oft aus teurer importierter Seide. Einzelheiten über die Stoffe, die 1330 für Aketon verwendet wurden, und über Anfertigungskosten befinden sich in Ms. 541, Society of Antiquaries, London. Im späteren 15. Jh. wurden einfachere Arten von A. von gewöhnl. Soldaten ganz Europas getragen.

Newton, S.M.: Aketon, in: Das Lexikon des Mittelalters, Band I, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003, S.251.

Gambeson

"Gambeson (frz. von dt. Wams), dick gepolstertes Kleidungsstück als Unterlage für das Panzerhemd (-> Halsberg), das mindestens seit dem 12.Jh. nachweisbar, in der 2.Hälfte des 14.Jh. mit dem Aufkommen des Plattenharschisces (-> Harnisch) aus der ritterl. Rüstung verschwindet. Der G. wurde vo, ärmeren Fußvolk oft bis ins SpätMA als einziger Körperschutz getragen."
Lit.: V. Gay, Glossaire Archéol. I, 1887

Gamber, O.: Gambeson, in: Das Lexikon des Mittelalters, Band IV, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003, S.1102.

"Gambeson (frz., m., auch gamboison oder cotte à armour), ähnlich dem Doublet unterder Rüstung getragenes, abgestepptes und wattiertes Untergewand. Im schnitt tunikaartig reicht der G. maximal bis zu den Knien. Verwendung findetder G. laut schriftlicher Quellen vom 12. bis zum 14. Jh. -> Steppwams."

Vavra, Elisabeth: Gambeson, in: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom Alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter, hrsg.v. Harry Kühnel, Stuttgart: Kröner, 1992, S.86.

(Stepp-)Wams

"Wams (engl., frz. doublet, pourpoint), Bezeichnung für ein vorwiegend von Männern getragenes Kleidungsstück (Leib = ahd. wamba; Leibchen = wambeis, wambes, mhd. wammes); in schriftl. Q.n ab 1200 in den Formen wambeis, wambois, wambis als Terminus für eine unter der Rüstung getragene dicke Jacke gebraucht, afrz. wambais, gambais, auch weitergebildet zu gambison, gambeson. Das unter der Rüstung getragene W. reicht über die Hüften, ist aus derbem Stoff, oft Filz, und wird gepolstert und gesteppt. Im 14. Jh. entwickelt es sich zum eigenständigen Bestandteil der männl. Oberkleidung, der sich der mod. Verengung und Kürzung der Kleidung anpaßt."
Lit.:
Grimm, DWB XIII, 1456-1467
L.C. Eisenbart, Kleiderordnungen der dt. Städte zw. 1350 und 1700 (Göttinger Bausteine zur Gesch.swiss. 32, 1962)
F. Piponnier, Costume et vie sociale. Le Cour d'Anjou XIVe-XVe s., 1970
St. M. Newton, Fashion in the Age of the Black Prince, 1980.

Vavra, E.: Wams, in: Das Lexikon des Mittelalters, Band IX, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003, S.2008.

"Steppwams (mhs. jope, n.), unter dem Ringelpanzer getragener knielanger abgesteppter Rock mit oder ohne Ärmel. Ist von der 2.Hälfte 12.Jh. bis isn 14.Jh. in Verwendung."

Krenn, Peter: Steppwams, in: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom Alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter, hrsg.v. Harry Kühnel, Stuttgart: Kröner, 1992, S.245.

Hoqueton

Hoqueton (engl. aketon), von arab. al-qutn ('Baumwolle') abgeleitete frz. Bezeichnung für einen gefütterten und abgesteppten Stoffpanzer des 13. und 14. Jh., der entweder als Unterlage für den Ringelpanzer oder als dessen billiger Ersatz diente.

Gamber, O.: Hoqueton, in: Das Lexikon des Mittelalters, Band V, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003, S.123.

"Hoqueton (frz., m., auch Aketon), ab dem 13.Jh. in Quellen erwähnt, Abart des Gambeson: unter dem Kettenhemd getragene wattierte Steppjacke."

Vavra, Elisabeth: Hoqueton, in: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom Alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter, hrsg.v. Harry Kühnel, Stuttgart: Kröner, 1992, S.118.


Literatur

"It is likely that a padded tunic, known as the aketon (from the Arabic word al-qutun for 'cotton'), wambais, purpoint or gambeson, was worn under the mail. Though mail moves easily, its very flexibility means that a powerful blow can result in bruising or even broken bones without the links being torn. If mail links were cut, they could be driven back into the wound, increasing the likelihood of septicaemia. In the early 13th century Guillaume le Breton, writing of a fight some years before between William de Barres and the future Richard I, describes the lance piercing shield, hauberk and aketon. Gerald de Barri, writing in the late 12th century, mentions a leather tunic worn under mail, which may have been an alternative to an aketon. Padded aketons seem to have consisted of two layers of cotton stuffed with wool, cotton, old rags or similar, and held in place by vertical or occasionally trellis, stitching. Later versions are known to have been made from numerous thicknesses of linen, and this may have been an alternative style. Some examples worn by infantry in illustrations in the mid-13th century French Maciejowski Bible seem to have inset sleeves, since nowhere do they vary in colour to suggest a sleeved coat over a sleeveless version (although gambesons are sometimes referred to as being worn over an aketon). However, it is not known if examples worn beneath mail were similar. Some gambesons, perhaps those mentioned as made of silks and other rich materials, were occasionally worn over mail and, at the end of the century, over coat of plates.

Gravet, Christopher. English Medieval Knight 1200 - 1300. Vol. 48, Warrior. Oxford: Osprey Publishing Ltd., 2002. S.23


"[..] afeutreure which may have been an early form of soft-armour worn beneath the hauberk [..]
Im 'Old-French - English Dictionary' steht zu afeutreure: padded part of a saddle; padding, cloth (for horse's back and neck); padded clothing.
(Hindley, Alan, Frederick W. Langley, Brian J. Levy. Old-French - English Dictionary, Cambridge: University Press, 2000, S.15)
"The quilted aketon, gambais and gambesons were worn beneath, or sometimes over, other armopur in the 13th century, but in the Middle East knights [..] sometimes wore quilted armour without the heavier mail hauberk, particularly in summer, when scouting or harrasing the enemy as light cavalry."

Nicolle, David. Knight Hospitaller (1) 1100 - 1306, Warrior, Band 33, Oxford: Osprey Publishing ltd., 2001, S.27.


© Matthias Gramß, Februar 2008, letzte Aktualisierung: Juni 2008
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