Geteld

Einführung

Mitte 2003 sah sich unsere Gruppe mit dem Problem konfrontiert, dass wir dringend neue Zelte brauchten um alle Mitglieder mit Schlafplätzen zu versorgen. Da wir es vermeiden wollten, ein Lager aus lauter Rundzelten zu haben, begaben wir uns auf die Suche nach passenden Unterkünften für das einfache Fußvolk.

Quellen

Neben Bildquellen, die sich leider fast ausschließlich mit den Rundzelten des Rittertums beschäftigen, durchsuchten wir auch Bücher, die sich mit dem Reisen im Mittelalter beschäftigten, um Hinweise auf die Unterbringung der weniger Begünstigten zu finden. Die Ergebnisse dieser Suche haben wir auf einer besonderen Seite zusammengestellt.
Zwei Quellen waren schließlich für unser Bauvorhaben ausschlaggebend:

Eadwine Psalter Skylitzen-Chronik

Der Eadwine Psalter (12. Jahrhundert) ist eine Abschrift des Utrechter Psalters (9. Jahrhundert). und es hat uns einige Kopfschmerzen bereitet, ob die Abbildungen der Zelte denn nun einfach von dem älteren Original übernommen wurden oder ob der Zeichner Zelte gemalt hat, die ihm aus seiner Zeit bekannt waren. In Gesprächen mit Historikern, sowie Kunsthistorikern der Universität Gießen kamen wir schließlich zu der Überzeugung, dass der Zeichner des Eadwine-Psalters die Zelte gekannt haben muss, nicht zuletzt deshalb, weil er sämtliche anderen Elemente (wie z.B. Rüstung und Waffen) angepaßt hat.

Material

Unsere Zelte bestehen aus einem Leinen-Baumwoll-Gemisch mit 440g/m². Dieser Stoff hat gegenüber reinem Leinen den schönen Vorteil, dass er um einiges billiger ist. Da wir nicht wußten, ob unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt sein würden, hatte dieses Argument einges an Gewicht. Allerdings ist es nun ja nicht so, dass Baumwolle dem Mittelalter vollkommen unbekannt gewesen wäre. Als Mischgewebe mit Leinen oder Hanf wurde sie in Mitteleuropa durchaus verwendet.
Obwohl wir die Zelte nicht imprägniert haben, sind sie in der letzten Saison, trotz Dauerregens und heftigem Wind, immer dicht geblieben.

Aufbau

Die Seitenteile bestehen aus je zwei Rechtecken mit drei Meter Länge und ca. 1,5 Meter Breite. Die Apsiden werden durch vier Dreiecke gebildet, je ein Rechtwinkliges und ein Gleichschenkliges. Die Stange im "Dachfirst" wird durch zwei Pfosten im Inneren gestützt.
Auf dem Bild aus dem Eadwine Psalter sieht man deutlich, dass der Kanal für die Firststange verlängert ist. Möglicherweise weißt der Kanal an den Enden größere Öffnung auf, die der Ventilation dienen (warme Luft kann entweichen). Durch die Verlängerung würde verhindert, dass es in das Zelt hineinregnet. Um allerdings eine vernünftige Ventilation zu gewährleisten muss es auch eine ausreichend große Öffnung zwischen Zeltinnenraum und Kanal geben. Wird aber - und das implizieren die Abbildungen - die Firststange eingenäht, existieren nur zwei kleine Öffnungen, durch die die Stützstangen gesteckt werden. Eine Luftzirkulation ist dadurch nach unsere Meinung kaum möglich. Unser eigenes Zelt weißt diese Verlängerungen nicht auf, da wir so das Zelt ohne jeglichen Verschnitt des Stoffes fertigen konnten. Man könnte jedoch den Kanal aus einem extra Stück Stoff annähen. Das Problem der Ventilation bleibt aber.
Das Zelt läßt sich von zwei Mann in fünf bis zehn Minuten problemlos aufbauen und bietet dann Platz für vier Personen inklusive Gepäck.

Im oberen Bild sind grob die Grenzen der einzelnen Stoffteile eingezeichnet.

Links

Saxon Tents


Januar 2004 (überarbeitet Juni 2005), Matthias Gramß
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