Mitte Juni 2005 setzten wir unseren Plan, eine mittelalterliche Schleuder/Blide zu bauen in die Tat um. Die Schleuder wurde mit modernen Werkzeugen und Holz aus dem Baumarkt hergestellt. Mit dem Bau dieser ersten Schleuder wollten wir Erfahrungen im Bau und Betrieb eines solchen Belagerungsgerätes machen, sowie unsere Konstruktion überprüfen. Wenn alles gut läuft, soll eine zweite Blide mit authentischen Werkzeugen und Materialien gebaut werden. Ein ausgiebiger Schusstest steht derzeit noch aus.
Die Vorlage für das Bauvorhaben lieferte das "Liber ad honorem augusti" des Petrus de Ebulo (siehe Quellensammlung). In dieser Schrift sind an mehreren Stellen einfache Schleudern abgebildet, die von den Autoren der Faksimileausgabe auch als Bliden bezeichnet werden. Weiterhin wird angemerkt, dass diese Belagerungswaffen zwar keine allzu schweren Geschosse verschossen haben, dafür aber eine hohe Schussfrequenz aufweisen konnten. Leider sind die Zeichnungen nicht besonders detailliert, was bei der Entwicklung der Konstruktion zu einigen Diskussionen führte.
Bei den Überlegungen zu einer möglichen Konstruktion der Schleuder traten vor allem zwei Fragen auf:
Auf der nebenstehenden Abbildung kann man einen waagerechten Strich erkennen, der das Dreibein abschließt. Unsere Überlegung war, dass es sich dabei um eine Stativplattform handeln könnte. Ein solches Stativ hätte den Vorteil, dass Geländeunebenheiten durch die flexible Stellung der Stativbeine ausgeglichen werden könnten.
Die Frage, ob Seil oder Holz, konnte durch die Abbildungen nicht eindeutig geklärt werden. Beide Möglichkeiten könnten aus den Zeichnungen herausgedeutet werden. Letzten Endes haben wir uns aus verschiedenen Gründen für die Lösung mit dem Seil entschieden:
Erstens ist eine solche Konstruktion einfacher. Eine Holzaufnahme hätte erst in Form gebracht werden müssen, außerdem hätten Löcher in die Aufnahme selbst, sowie in Seitenteile der Wurfarmhalterung gebohrt werden müssen. Zweitens glaubten wir, dass beim Abschuss zwischen Aufnahme und Seitenteilen eine enorme Reibung entstehen würde, die eventuell zu Schäden führen könnte. Wenn bei feuchter Witterung das Holz aufquillt, wäre die Schleuder nicht einsatzfähig, bei großer Hitze würde das Lager ein zu großes Spiel aufweisen. Allerdings gibt es im Internet einige Abbildungen von anderen Rekonstruktionen (siehe Links am Ende des Artikels), die mit einer solchen Holzaufnahme offenbar gut funktionieren. Drittens ist das Seil flexibler und kann bei Materialversagen schneller und einfacher ersetzt werden.
Auf der Konstruktionszeichnung sind noch Dübel zur Sicherung der Hauptstange eingezeichnet. Da wir aus Kostengründen Kantholz anstelle eines Rundstabes verwendet haben, konnte diese Sicherung weggelassen werden.
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Alle Angaben in Millimeter. Die Maße müssen nicht sklavisch eingehalten werden, sondern können je nach Verfügbarkeit leicht variieren.
| Stativbeine | 3 Vierkantstangen (38x58x2000) |
| Stativteller | 2 Birkenfurnierplatten (500x500x28) |
| Scharnierstange für die Stativbeine | 1 Rundstab (20x100) |
| Hauptstange | 1 Vierkantstange (80x80x2000) |
| Wurfarmhalterung | 1 Vierkantstange (78x48x2000) |
| Wurfarm + Zugeinrichtung | 1 Vierkantstange (48x48x3000) |
| Zugeinrichtung | 1 Vierkantstange (48x48x2000) |
| diverse Holzdübel | Rundhölzer (10x100) |
Die beiden Birkensperrholzplatten wurden miteinander verleimt. Dieser Schritt war nur nötig, weil es im Baumarkt keine Platten ausreichender Dicke gab. Der Zwischenraum der Aufnahmen für die Stativbeine richtet sich nach der Dicke der Beine, die beiden Aufnahmestege sind jeweils 40mm breit. Etwas diffizil war das Bohren der Löcher (20mm) für die Scharnierstangen, da diese in beiden Stegen auf exakt der gleichen Höhe liegen müssen und da unser Bohrer nicht lang genug war, mussten die Löcher separat gebohrt werden. Das klappte mal mehr mal weniger gut, aber wozu gibt es Rundraspeln. Schließlich wurde noch das Mittelloch (ca. 45mm) für die Aufnahme der Hauptstange gebohrt.
Für die Wurfarmhalterung wurde die Vierkantstange in vier Stücke à 500mm gesägt. In die waagerechten Stücke wurde in die Mitte ein Loch (ca. 45mm) für die Hauptstange gebohrt. Auch hier sollten die Löcher möglichst exakt aufeinander stehen. Um dem Seil einen besseren Halt zu geben, wurden die Seitenteile auf beiden Seiten mit dem Stechbeitel etwas eingekerbt. Die vier Teile wurden schließlich mit Holzdübeln und Leim verbunden.
Für die Zugeinrichtung wurde von der Stange 1000mm abgeschnitten. Dieses Stück wurde mittig am Ende des Wurfarmes wieder mit Holzdübeln und Leim befestigt. Schwieriger wurde es bei den beiden Seitenstreben, denn hier müssen exakte Winkel gesägt oder hinterher viel geraspelt werden. Für vier Akademiker haben wir das halbwegs akzeptabel hinbekommen, den Rest muss der Leim halten. Ähem.
Die Hauptstange wurde auf ca. 1200mm gekürzt und oben und unten so abgerundet, dass sie durch die Löcher in der Wurfarmhalterung und dem Stativteller passte. Dazu verwendeten wir ein Ziehmesser. Allerdings muss man bei der Verwendung von langfaserigem Nadelholz aufpassen, nicht zu viel Material abzuheben. Beim nächsten Mal werden wir hier sicher ein anderes Holz verwenden.
Das Seil wurde zwei Mal sehr locker um die Halterung gewunden, dann verdrillt und schließlich der Wurfarm eingeschoben. Das Seil sollte ruhig stark verdrillt sein um den Arm auf der waagerechten Achse zu stabilisieren. Da wir einen Vierkantstab als Wurfarm benutzten wurde das Seil durch die Kanten schon bei den wenigen Versuchen, die wir gemacht haben, in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb werden wir das Seil wohl in Leder einnähen.
Für die ersten Schussversuche diente ein Stück Abfallstoff als Wurfgeschossaufnahme und eine Klopapierrolle (in Schussrichtung lag ein Sportplatz). Es gelang uns auch wirklich die Rolle ca. 10m weit zu schleudern. Allerdings merkten wir auch schnell, dass die Zugeinrichtung beim Abschuss gegen die Schleuder knallt und diese dadurch umwirft (jetzt wissen wir auch, warum auf den Abbildungen die Bedienmannschaft in vollem Rüstzeug dargestellt ist). Es reicht allerdings, wenn jemand sich am Hauptarm, der aus dem Stativteller unten herausragt, festhält.
Petrus de Ebulo, Liber ad honorem Augusti sive de rebus Siculis, Codex 120 II der Burgerbibliothek Bern, 1994 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
The Grey Company Trebuchet Page Nachbau verschiedener mittelalterlicher Schleudern
Königspfalz Tilleda Bild einer etwas anderen Konstruktion
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