Irgendwann kommt man als Reenactor (Darsteller vergangener Zeiten) an den Punkt, an dem man wissen will, ob im Mittelalter die Farbenpracht der Kleider ebenso bunt war, wie es auf Miniaturen dargestellt wurde oder wie es uns das moderne "Marktmittelalter" vorgaukelt. Man will sich nicht mehr mit der Farbpalette zufrieden geben, die von Stoffhändlern unserer
Zeit angeboten wird.
Bei mir war es letztes Jahr soweit. Ich hatte im "Lexikon des Mittelalters" (LexMA) eine recht beeindruckende Liste mittelalterlicher Färbemittel gefunden und wollte nun selbst herausfinden, welches Farbspektrum sich damit erzielen läßt. Ich begann Literatur zum Thema zu sammeln und baute im Garten Waid an. Im Oktober trafen wir uns dann, um verschiedene Färbeexperimente zu wagen. - Und manches davon war in der Tat ein Wagnis! Ich bin dabei zum Entschluß gekommen, nie wieder Waid mit Urin zu verküpen und danach zu erhitzen. Der Gestank ist unglaublich. Bis jetzt war auch noch keines unserer Waidexperimente erfolgreich. Um genauer zu sein: der Stoff färbte sich nicht wie erwartet blau, sondern rosa, braun oder grün. Die Experimente werden daher dieses Jahr fortgeführt.
Wie der Titel bereits verrät, bemühen wir uns so "mittelalterlich" wie möglich zu arbeiten, wobei wir jedoch bisweilen Zugeständnisse machen (müssen). Statt eines Holzfeuers haben wir z.B. einen modernen Herd benutzt und gewisse Metallsalze (z.B. Chromkali) zur Beize des Färbeguts nicht verwendet, weil sie sehr giftig sind.
Einige Pflanzenfarbstoffe, die in mittelalterlichen Quellen genannt werden
oder in Gewebefragmenten nachgewiesen werden konnten (nach LexMA und H. Schweppe):
Waid (Isatis tinctoria), Krapp (Rubia tinctorum), Wau (Reseda luteola),
Kermes (Kermes vermilio, Schildläuse), Schneckenpurpur, Färberginster
(Genista tinctoria), Saflor (Färberdistel), Färberscharte (Serratula tinctoria),
Färberflechte (orseille), Heidelbeeren
(Vaccinium myrtillus), Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea), schwarze Johannisbeeren (Ribes nigrum), Holundersaft (Sambucus nigra), Wegdorn (Rhamnus catharticus), Kornblumenblüten (Centaurea cyanus), Safran (Crocus sativus), Schwertlilie (Iris germanica),
Lauch (Allium porrum), Schwarzdorn (Prunus spinosa), Heidekraut (Calluna vulgaris),
Wacholder (Juniperus communis),
Eichenrinde (Quercus robur zum Schwarzfärben
auf Eisenbeize), Eschenrinde (Fraxinus excelsior), Erlenrinde (Alnus glutinosa),
Pflaumen- und Apfelbaumrinde (Prunus domestica und Malus sylvestris), Walnußschalen
(Juglans regia), Rotholz (Caesalpinia sappan), Berberitze (Berberis vulgaris,
Wurzeln und Rinde), Schöllkraut (Chelidonium majus), Sauerampfer (Rumex-Spezies),
Rainfarn
(Tanacetum vulgare), Ahornlaub (Acer campestre), Birkenlaub
(Betula-Spezies)...
Darüber hinaus läßt sich auch mit Färberkamille (Anthemis tinctoria), Brennesseln (Urtica dioica), Zwiebelschalen und verschiedenen Moosen färben, nur habe ich dazu noch nichts Genaueres über deren Verwendung im Mittelalter finden können.
Im Folgenden findet ihr eine allgemeine Einführung, eine Liste erfolgreicher Färbeversuche, sowie Literaturhinweise. Ihr werdet dabei feststellen können, was wir gemeinsam gemacht haben und wo ich alleine am Werk war.
Hier ein Bild von den Ergebnissen unserer Färbeaktion im Oktober 2003:
Als erstes sollte man sich große Töpfe (12-15l) besorgen, am besten wäre ein Kupfertopf, damit durch entstehende Kupfersalze (Sulfate) die Farben besser halten. Das Beizwasser darf jedoch nie lange in Kupferkesseln aufbewahrt werden, weil sonst die Salze das Metall zerfressen. (Nencki, S.54) Die Töpfe sollte man danach nicht mehr zum Kochen verwenden!
Das Färbegut: Garn ist einfacher zu färben als Stoff. Der Stoff
bekommt leicht Flecken, wenn man nicht genug umrührt oder das Pflanzenmaterial ungleichmäßig
verteilt ist. (Deshalb ist es besser, die Pflanzenteile vor dem Färben abzuseihen.)
Trotz der genannten Schwierigkeit färbte man im Mittelalter (laut LexMA)
hauptsächlich fertig gewebte Tuche. Nur bei der Seide habe die Garnfärbung überwogen.
Weißer Wollstoff/-garn, Seide oder Leinen eignet sich zum Färben, wobei das Leinen die
Färbung am wenigsten annimmt.
Andere nützliche Dinge: Gummihandschuhe, Meßbecher, Küchenwaage, Messer und Hackbrett (oder Fleischwolf), Schnüre zum Abbinden von Garnsträngen, Löffel zum Umrühren, großes Sieb oder alte Nylonstrumpfhosen, Thermometer, viele Waschschüsseln, Shampoo oder Wollwaschmittel, Zettel und Stift, die Beize und die Färbepflanzen natürlich.
Behandlung des Färbeguts: Die Wolle in lauwarmem Wasser mit etwas Wollwaschmittel oder Shampoo spülen. In einen Bottich mit klarem, warmem Wasser legen. Am besten eignet sich weiches Wasser (wenig Kalk). Die Wolle wird stets feucht in die Beize oder das Färbebad gelegt, damit die Flüssigkeit gleichmäßig einziehen kann. Plötzliche Temperaturveränderungen vermeiden, sonst verfilzt die Wolle. Langsam erhitzen und nie über 90oC. Wollstränge mit Wollfäden lose abbinden, damit sie sich beim Beizen oder Färben nicht verheddern. Wenn man mehrere Stränge gleichzeitig färbt, kann man alle auf eine stabile Kordel aufziehen, mit der man die Stränge im Färbebad bewegen und wieder herausziehen kann.
Beize:
Die meisten pflanzlichen Farben benötigen ein Beizmittel, um sich haltbar mit den Fasern eines
Stoffes verbinden zu können. Viele dieser Beizen sind Metallsalze, wobei einige davon sehr
giftig sind (s.o.).
Harmlos dagegen ist der Alaun (Kaliumaluminiumsulfat).
Alaun: ein weißes, ungiftiges Salz, das in der Natur als Alunit (Alaunstein) und als
Kalialaun vorkommt.
In etwas warmem Wasser auflösen und dann erst in den großen Topf mit Wasser.
Für helle Farbtöne: 15 % des Gewichtes der trockenen Wolle
Für dunkle Farbtöne: 25 % der Wolle
Für 100 g Strangwolle: In einem Edelstahltopf (Gesamtvol. 5 l) 3 Liter weiches Wasser auf etwa 40 °C erwärmen. 15 - 25 g Alaun auflösen und hinzugeben. (Laut Berger, S.29, 10-30 g.) Die feuchte Wolle hineingeben und langsam auf fast 90 C erwärmen. Die Wolle bisweilen wenden, damit sie die Beize gleichmäßig aufnimmt. 1 h bei hoher Temperatur, dann die Wolle in der Beize abkühlen lassen. Im Schatten trocknen lassen, wenn man sie nicht gleich weiterverwenden will.
Weinstein(rahm): ein weißes Pulver, das sich bei der Lagerung von Wein absetzt. Wird zur Alaunbeize gegeben; ist keine Beize, sondern ein Hilfsmittel, das die Leuchtkraft einer Farbe erhöht. Verhältnis: 4:1 (z.B. 25 % Alaun und 6 % Weinstein oder 15 % Alaun und 4 % Weinstein) (Schweppe, S. 661)
Verhältnis Wolle zu Wasser beim Beizen: 1:20 bis 1:22
beim Färben: 10 g Wolle und 250 ml Wasser (Flottenverhältnis: 1:25)
Allgemeines Färbeverfahren: Pflanzenteile einweichen, mindestens eine Stunde auskochen, dann abseihen. (Man kann die Pflanzen in einen dünnen Sack oder ein Tuch geben, dann bekommt man auch die feinsten Schwebeteilchen wieder heraus, die sich sonst in die Wolle setzen.) Das Färbegut (Wollgarn, Stoff) wird in das Farbbad eingelegt und mindestens eine Stunde gekocht. Abkühlen lassen, herausnehmen und auswaschen (mit Wollwaschmittel oder Shampoo). (Berger, S. 34)
Zusammenfassung der einzelnen Schritte: 1. Färbegut vorbereiten 2. Vorbeizen 3. Färbebrühe vorbereiten 4. Färben 5. Waschen und Spülen (6. Entwickeln und Nachbehandeln = mit Metallsalzen erneut beizen) (Berger, S. 48)Man kann den Färbesud mehrfach benutzen, bis er schließlich nichts mehr (oder kaum noch) färbt. Je mehr Pflanzen man nimmt, je feiner man sie zerschneidet (oder zermahlt), je länger man die Pflanzen und den Stoff im Wasser ziehen läßt, desto dunkler wird das Ergebnis. Man kann gleichzeitig beizen und färben, das nennt sich "Einbadfärbung" (Berger, S. 34). Die Pflanzenteile sollten jedoch in ein Netz (z.B. in alte Nylonstrumpfhosen) gegeben werden, da sie sich später schlecht vom Färbegut trennen lassen.
Zu besorgen: helle Wolle, getrocknete Zwiebelschalen, Alaun, Weinsteinrahm.
Um 500 g Wolle zu färben, braucht man 1 kg braune oder 750 g blaue Zwiebelschalen!
Beizen: 90 g Alaun und 30 g Weinsteinrahm in einer kleinen Menge kochenden Wassers auflösen und in den mit Wasser gefüllten Einkochtopf schütten. Bei einer Temperatur von 30 °C Wolle hineinlegen und bis auf (fast) 100 C langsam erhitzen. Eine Stunde auf hoher Temperatur halten, danach im Topf langsam abkühlen lassen. Danach die Wolle entnehmen, in warmes Wasser legen, damit sich die Wolle langsam abkühlt.
Färben: Die gebeizte Wolle (200 g) und Zwiebelschalen (400 g)
abwechselnd in den Topf schichten. Mit warmem Wasser bedecken und langsam erhitzen.
Wir haben die Temperatur bei ca 80 °C eine Stunde lang gehalten, da wir befürchteten,
dass die Wolle bei der von Herbig angegebenen Temperatur von 100 °C zu sehr verfilzen würde.
Den Topf 18 Stunden auf der langsam erkaltenden Herdplatte stehen gelassen. Am nächsten Tag
das Färbegut herausgenommen und ausgewaschen.
Ergebnis: Vlies und Garn sind beide dunkelgelb. Die Zwiebelschalen lassen
sich aber sehr schlecht aus dem Material entfernen, so dass wir das nächste Mal entweder
die Schalen in ein Netz geben oder sie aber zuerst auskochen und dann abseihen, bevor wir den
Stoff in die Färbebrühe geben.
Die Brühe läßt sich noch ein zweites Mal verwenden, der Farbton wird dann hellgelb.
(Herbigs Buch der Handarbeiten, von uns etwas abgeändertes Rezept)
Variante: Berger, S.67: 50-70 g Schalen für 100 g Wolle
Es werden die grünen, äußeren Hüllen verwendet (nicht die
harte Schale um den Kern). Ende September/ Anfang Oktober öffnen sich diese Hüllen
und die Nüsse fallen heraus. Zu dieser Zeit sollte man die grünen Hüllen
(im weiteren Schalen genannt) sammeln.
Direktfärbung: Die Schalen enthalten viel Gerbstoff (und Flavonoide), daher ist keine
Vorbeize nötig. Der färbende Bestandteil heißt Juglon. (Das ist ein substantiver Farbstoff,
weil er sich direkt mit dem Färbematerial verbindet). Der Walnußsud hat antiseptische
Wirkung.
Ebenfalls verwendbar: Blätter, Kätzchen (männliche Blüten), Wurzeln, Rinde.
Unser Experiment: Wir haben die Schalen (900 g) in einen Eimer mit Deckel gegeben, sie mit Wasser bedeckt und das Ganze sieben Stunden lang stehen gelassen.
Kaltfärbung:
Wir hatten gelesen, dass man Stoff mit Walnußsud auch ohne Erhitzen färben kann.
Das Ergebnis war jedoch wenig zufriedenstellend. In den Sud mit Schalen legten wir für
3,5 Stunden Leinen und Wollstoff. Das Leinen war danach leicht graubraun, der Wollstoff hellbraun.
Danach siebte ich die Schalen ab und legte weitere Stücke Leinen und Wollstoff in den Sud.
Nach 24 Stunden nahm ich das Färbegut heraus und wusch es. Die Farben entsprachen denen vom
Vortag.
Heißfärbung:
In den abgesiebten Sud habe ich daraufhin wieder zwei Probestücke gegeben und alles langsam
erhitzt (1h). Nach 3 h 20 min auf der langsam erkaltenden Herdplatte war der Wollstoff von einer
schönen dunkelbraunen Farbe. Das Leinen war mittelbraun.
Im November 2004 ließ ich ein Wollstück nach dem Erhitzen über Nacht im Topf, zusammen mit einigen Walnußschalen (die ich für das Färben der Vliese vorher abgesiebt hatte).
Das Ergebnis war Dunkelbraun.
Varianten:
Schweppe, S. 675: 10 g ungebeizte Wolle in die Färbeflotte geben und langsam auf 45 C erhitzen.
Ohne weitere Wärmezufuhr einige Stunden oder über Nacht stehen lassen.
Dann erhitzt man die Färbeflotte auf 90 C und läßt die Wolle 20 bis 30 min ziehen.
Abkühlen lassen, die Wolle herausnehmen und ausspülen.
Berger, S. 86: Schalen 24 h einweichen, danach Garn und Schalen abwechselnd in
ein Gefäß schichten, darüber das Einweichwasser gießen. Nach 3 Tagen das
Garn herausnehmen, waschen.
Opimales Verhältnis: 50 g getrocknete Schalen für 100 g Wolle (S.124).
Nencki, S. 235: 15 min die Schalen aufkochen, abkühlen lassen, Wolle in Färbebad, 1 h kochen, dann auswaschen.
Ich habe 1,2 kg überreife Beeren gepflückt, gewaschen und in einen
Topf gegeben. Mit 2 l Wasser aufgefüllt und 1 h kochen lassen. Die Beeren habe ich danach
zerdrückt und abgeseiht.
Dann habe ich 200 g Wollvlies und -garn hineingegeben und nochmals erhitzt.
Nach 2 h Färbezeit habe ich das Färbegut der Brühe entnommen. Das Leinenstück
war dunkellila, das Wollvlies und -garn von einem bräunlichen Lila.
2. Ansatz: Über Nacht (11 h) habe ich noch einmal Wollvlies, -garn und ein
Leinenstück in die leicht warme Färbebrühe gegeben.
Am nächsten Morgen war das Wollvlies hellgrau mit einem lila Schimmer, das Garn
dunkelgrau mit lila Schimmer und das Leinen dunkellila. Das Leinen sah am besten aus,
wobei noch die Frage ist, wie lange sich die Färbung hält.
Für 100 g Wolle braucht man 500 g Brennesseln (Berger, S.60-61; 123).
Ich habe 1,3 kg Brennesseln gepflückt. Das ist eine unglaubliche Menge, nämlich
eine große Plastiktüte voll.
Einbadfärbung: Beizen und Färben gleichzeitig.
Frisch gepfückte Brennesseln klein schneiden.
In dem großen Färbetopf langsam Wasser erhitzen. Die Beize in einem kleinen
Gefäß mit warmem Wasser auflösen. Alaun und Weinstein im Verhältnis 3:1.
15 g Alaun auf 100 g Wolle. Dann in den großen Topf geben. Umrühren.
Die Brennesseln dazugeben (am besten in einem Netz). Wollvlies und Leinen bei ca. 30 °C ebenfalls
hinein. 3,15 h erhitzt, dann über Nacht (15 h) im Topf abkühlen lassen.
Ergebnis: Das Wollvlies ist hellgelb (mit leichtem Grünstich), das Leinen ist von
einem noch helleren Gelb.
Variante: Grünton
Brennesseln zerkleinern, über Nacht einweichen. Eine Stunde auskochen, abseihen.
Beizen: 50 g Kupfersalz (giftig) in einer kleinen Menge kochenden Wassers auflösen und in
das Färbegefäß schütten. Dieses sollte bereits mit ca. 12 l Wasser
gefüllt sein.
Bei einer Temperatur von 30 °C die Wolle hineinlegen und eine Stunde sanft kochen.
Färben: Wolle abtropfen lassen, in den Farbsud legen und eine Stunde sanft kochen
lassen. Abkühlen lassen, danach die Wolle waschen. Das Ergebnis sollte grün sein.
(Herbigs großes Buch der Handarbeiten, München 1983, S.134-141)
Im Juli habe ich Blüten der großen Feldkamille gesammelt. Insgesamt waren es 350 g Blüten. Darüber habe ich 5 l Wasser geschüttet und das ganze 3,5 h stehen gelassen. Dann habe ich den Topf mit den Kamillen auf den Herd gestellt, eine Stunde erhitzt und danach die Blüten abgeseiht. Als das Farbbad etwas abgekühlt war, habe ich 70g Wollvlies hineingegeben und noch einmal das Farbbad für eine Stunde erhitzt. Daraufhin ließ ich den Topf mit Farbbad und Vlies für weitere 14 h auf dem langsam erkaltenden Herd stehen.
Ergebnis: ein intensives dunkles Gelb auf Wolle.
Optimales Verhältnis: 200 g frische Blüten für 100 g Wolle (laut Berger, S. 123)
Säuretest: Auf eine Ecke eines gefärbten Wollstoffes gab ich einen Spritzer Zitronensaft.
Ergebnis: Die gelbe Farbe löst sich heraus. Der Farbstoff der Kamille ist nicht säurefest.
500 g getrockneter geschnittener Wau in 5 l Wasser über Nacht 13 h ziehen lassen. Morgens mit einem weiteren Liter Wasser aufgefüllt und erhitzt. 45 Minuten auf hoher Temperatur (etwa 80-90 °C).
Einbadfärbung: Die Beize (75 g Alaun und 18 g Weinstein) in einem extra Behältnis in Wasser aufgelöst und in den Topf zum Farbbad gegeben. 250 g Wollvlies hinzugegeben, langsam bis auf ca. 80 °C erhitzt und eine Stunde die Temperatur gehalten. Danach das Vlies 7 Stunden lang im Farbbad abkühlen lassen.
Ergebnis: kräftiges Gelb, verblasst jedoch allmählich.
Optimales Verhältnis: 200 g frischer Wau für 100 g Wolle (laut Berger, S. 124)
Dies ist einer der ältesten Farbstoffe. Schon die Ägypter verwendeten Krapp, um Textilien zu färben.
Im Mittelalter gab es große Krappanbaugebiete in Holland und Frankreich.
Verhältnis Wolle zu Krapp: 1 : 1 (Schweppe, S.670)
(Laut Berger, S.123, ist das optimale Verhältnis 2:1)
Wir haben 500 g geschnittene Krappwurzeln 16 Stunden in 25 l Wasser einweichen lassen.
(Es gibt auch gemahlenen Krapp, er ist teurer, färbt aber auch besser.) Am nächsten Tag haben wir dieses Farbbad bis auf 80 °C erhitzt (Nencki, S. 140 nennt diese Maximaltemperatur).
Wir beizten das Wollvlies zuvor mit Alaun und Weinstein. Man kann die Beize auch direkt der Färbeflotte zugeben.
Im ersten Versuch färbten wir 200 g Wollvlies mit 250 g Krapp in 10 l Färbeflotte.
Wir erhitzten die Flotte innerhalb einer Stunde auf 80 °C und ließen dann die Wolle 3,5 Stunden darin abkühlen.
Ergebnis: ein dunkles Rot
Noch zu verbessern: wir sollten den Krapp besser in ein feines Netz, z.B. eine Nylonstrumpfhose, geben, damit er nicht so sehr im Wollvlies hängen bleibt.
Im zweiten Versuch siebten wir alle festen Bestandteile nach dem Erhitzen ab und
färbten mit ca. 150 g Krapp in 15 l Wasser 200 g Wollvlies 30 Minuten lang bei 70-80 °C.
Ergebnis: ein helles leuchtendes Rot
Nencki (S.140) gibt den Ratschlag, dem Farbbad 50-100g aufgelöste Kreide hinzuzufügen, um einen leuchtenderen Farbton zu erhalten. Schweppe (S.670) meint, dazu eigne sich Weizenkleie besser (die gleiche Menge Kleie wie Krapp).
Waid wird seit der Antike zum Färben von Blau benutzt. Es lassen sich aber auch andere Farbtöne damit erreichen. In den Waidblättern ist z.B. Indirubin enthalten, das für Rosatöne sorgt. Im Gegensatz zu anderen Versuchen mit Färbepflanzen sollte man sich bei Experimenten mit Waid genau an den Wortlaut der Färberezepturen halten, um die Anzahl der Fehlerquellen gering zu halten. Sonst fragt man sich nachher, ob die falsche Temperatur schuld war oder der falsche ph-Wert oder die Gärungsdauer zu kurz etc.
Die Aussaat erfolgt im Frühjahr (März-April) oder im Herbst (September-Oktober), am besten auf gutem, gedüngtem Boden an einem Sonnenplatz.
Laßt genügend Platz für die Pflanzen, denn sie werden sehr groß!
Optimaler Reihenabstand: 25-35 cm. Bedeckt die Samen mit 1-2 cm Erde! Ihr könnt die Pflänzchen
auch später vereinzeln, falls ihr doch zu dicht gesät habt.
Idealer Pflanzenabstand: 15-25 cm. Nach zwei bis drei Wochen erscheinen die Pflänzchen.
Vergesst nicht das Unkrautjäten und das Einsammeln von Schädlingen! Schnecken sind besonders
scharf auf leckeren Waid.
Im ersten Jahr gleicht der Waid einem kleinen dunkelgrünen Busch mit langen Blättern (bis 40 cm lang). (Foto)
Vor allem nach einer langen Sonnenphase besitzt er jetzt die größte Färbekraft. Je dunkler die Blätter, desto besser.
Wer im Frühjahr sät, kann im Sommer bereits ernten. Schneidet nicht zuviel ab, dann könnt ihr mehrfach ernten
(etwa alle 20-25 Tage)!
Nur bei großer Hitze gießen (morgens oder abends), der Waid verliert sonst an Färbekraft.
Keine Angst vor dem Winter, der Waid ist frosthart.
Im zweiten Jahr wächst ein langer Stengel und der Waid beginnt schließlich zu blühen. (Foto)
Aus den kleinen gelben Blüten bilden sich nach der Befruchtung die Samen. (Bei meiner Frühjahrssaat
war es im August des folgenden Jahres soweit.) Die Samen liegen in sogenannten Fruchtklappen, welche
zunächst grün sind, aber bald dunkel werden. Wartet man mit der Ernte zu lange, weil man hofft,
nur guten dunklen Samen zu erhalten, so sät sich ein Großteil des Waid selbst aus.
Ihr könnt auch nur den ersten dunklen Samen ernten
und die Pflanzen danach vernichten. Denkt daran, dass Waid so hartnäckig ist wie Unkraut.
Trocknet die Samen und hebt sie an einem trockenen Platz für die nächste Aussaat auf.
Das hellere Saatgut kann man auch der Indigoküpe zur Unterstützung der Gärung beimengen.
(Falls man diese Methode zum Färben ausprobieren will.)
Fotos:
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| 5 Monate alter Waid | blühender Waid |
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| 5 Monate alter Waid | Größenvergleich Mensch - blühender Waid |
Versuch vom 20.11.04:
Ich hatte im Sommer einen großen Strauß Rainfarn geschnitten und in der dunklen Scheune zum Trocknen aufgehängt. Nun schnitt ich das Kraut und die Blüten von den Stengeln und wog sie. 128 g erschien mir sehr wenig im Vergleich zur Optimumangabe von Berger, also beschloß ich, zunächst nur 50 g Wollvlies zu färben.
Die getrockneten Pflanzenteile übergoß ich mit 5 l Wasser und ließ sie über Nacht (ca. 17 h) einweichen.
Die Wollvliese beizte ich in einem Extratopf mit Alaun und Weinstein.
Mittags erhitzte ich den Rainfarn mit dem Wasser für zwei Stunden bis etwa 90 °C. Dann seihte ich die Pflanzenteile ab und ließ den Sud etwas abkühlen.
Schließlich legte ich einen Strang Wollvlies hinein und färbte ihn bei ca. 90 °C.
Ergebnis: hellgelb (aber intensiver/leuchtender als das Ergebnis bei den Birkenblättern).
Optimales Verhältnis: 400 g frisches Kraut für 100 g Wolle (laut Berger, S. 124)
Versuch Nr.2:
Nachbeize mit Eisensulfat II
Ich hatte gelesen, dass man durch Zugabe von Eisensulfat (Ferrum sulfuricum) Grüntöne erhält und wollte dies nun ausprobieren.
- Eisensulfat ist eines der harmloseren Metallsalze (siehe Einleitung). -
Laut Schweppe, S.662, nimmt man dafür am besten 1-10 g Eisensulfat für 100 g Wolle.
Ich nahm 3 g Eisensulfat, löste es in warmem Wasser auf und gab es in den Färbesud. Nach etwas Umrühren legte ich ein vorgebeiztes Wollvlies (50 g) hinein und erhitzte den Sud, ca. 45 Minuten ließ ich ihn bei 90 °C.
Ergebnis: ein grünliches Gelb
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| Färbeergebnis mit Rainfarn | getrockneter Rainfarn |
Versuch vom 20.11.04:
200 g getrocknete Birkenblätter abends in 10 l Wasser eingeweicht, über Nacht 12 h ziehen lassen. Morgens eine Stunde erhitzt (etwa 80-90 °C). Danach erkalten lassen.
Um 13.40 Uhr die Blätter abgeseiht und gebeizte Wollvliese (200g) hineingelegt. Bis 16.00 Uhr wieder erhitzt.
Erneutes Abkühlen, dann die Wolle herausgenommen und vorsichtig gewaschen (damit sie nicht filzt).
Den einen Strang Vlies habe ich zum Trocknen aufgehängt, den anderen späteren wieder mit dem Eisensulfat zurück in die Färbeflotte.
Ergebnis: hellgelb (leicht grünlich)
Optimales Verhältnis: 200 g frische Blätter für 100 g Wolle (laut Berger, S. 123)
Versuch Nr.2:
Nachbeize mit Eisensulfat II
Für den Strang Vlies à 100 g nahm ich 6 g Eisensulfat. Procedere wie beim Rainfarn. Ich erhitzte die Flotte mit dem Vlies für 95 Minuten, ließ sie etwas erkalten und nahm dann das Vlies zum Waschen heraus.
Ergebnis: ein helles Olivgrün.
Vermutlich liegt der dunklere Farbton (im Vergleich zum Rainfarn-Experiment) auch am hohen Gerbsäureanteil der Birkenblätter.
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| Färbergebnis Birke | getrocknete Birkenblätter |
Ein Freund hatte mir Nesselstoff vorbeigebracht und fragte, ob ich den färben könne. Ich vermutete, dass der Stoff sich ebenso schlecht färben lassen würde wie Leinen, wollte es aber dennoch versuchen. Da ich nicht genügend Färbebrühe hatte, beschloß ich, die Reste der Experimente mit Birke und Rainfarn zusammenzuschütten. Im Sud war natürlich auch das Eisensulfat dabei. Ich erhitzte alles für zwei Stunden und ließ es über Nacht stehen (ca. 15 Stunden).
Ergebnis: ein helles Olivgrün beim Nesselstoff, ein dunkles Oliv bei einem Probestück aus Wolle. Es hätte sich also gelohnt, noch mehr Wolle im Sud über Nacht zu färben, aber der Vorrat an Wollvlies schwindet zusehends und ich muss ihn mir für die nächsten Versuche einteilen.
Berger, Dorit: Färben mit Naturfarben. Färbepflanzen, Rezepte, Anwendungsmöglichkeiten. Stuttgart 1998.
Praktisch und gut. Übersichtlich, viele Rezepte und Farbtabellen.
Buchanan, Rita: A weaver's garden: growing plants for natural dyes and fibers. Loveland, Colorado 1987 (Neuerscheinung 1999).
Enthält verständlicherweise viele nordamerikanische Pflanzen, was für uns keinen großen Nutzen hat. Hier haben mich eigentlich nur die Waidrezepte interessiert; die allgemeinen Hinweise sind auch ganz gut, bringen aber nichts wesentlich neues.
Herbigs großes Buch der Handarbeiten, München 1983
Das Buch habe ich bei meiner Oma gefunden. Es enthält hauptsächlich Strick- und Häkelmuster und ein kurzes Kapitel zum Thema färben, mit den Rezepten für Zwiebelschalen und Brennesseln.
Lexikon des Mittelalters, Artikel: "Farbe, Färber, Farbensymbolik", Bd. IV, München und Zürich 1989, S.286-289
Das Standardnachschlagewerk für Mediävisten.
Nencki, Lydie: Die Kunst des Färbens mit natürlichen Stoffen. Geschichte-Methoden-Rezepte.
Aus dem Französischen von G. Bächi-Gutrath. Bern, Stuttgart 1984.
Originaltitel: La science des teintures animales et végétales, 1981.
Etwas altmodisch geschrieben, enthält aber schöne Abbildungen, Informationen zu Herkunft und Pflege der Färbepflanzen und Rezepte.
Schweppe, H.: Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen, Verwendung, Nachweis.ecomed-Verlag, Landsberg/Lech 1993.
Ein ziemlich dicker wissenschaftlicher Wälzer mit Rezepten, Färbetabellen, chemischen Formeln, Bestimmungsverfahren, und einem schönen Kapitel zum Färben im Mittelalter.
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