Aktionstag am 21.5.2011

An diesem Tag wollten wir die Möglichkeiten der Burg einmal für uns nutzen ohne einen straff organisierten Tagesplan für die Besucher der Burg im Hinterkopf. Dabei waren: Mirko und Heike von Viatores Temporis. Micha, Anja, Daniel und Claudia von Projekt 1189 sowie Susanne, eine Freundin der Viatores Temporis.

Projekte

Die Männer hatten sich Schmiedearbeiten ausgesucht und wir Mädels machten die Küche unsicher. Da unsere eigentlichen Köche arbeitsbedingt nicht mitkommen konnten, war das die Gelegenheit für mich Seltenkocherin mal ein paar Dinge auszuprobieren. Zum Einen wollte ich endlich unseren nicht mehr ganz so neuen genieteten Topf dichtkochen, zum Anderen wollte ich versuchen Zunder aus Leinenresten herzustellen. Dann hatte ich auch nach neuen Rezepten im "Liber de Coquina" gesucht und mir war eine "Käsesuppe" (S. 65, 11.) aufgefallen, welche sich sehr lecker las. Diese wollte ich einmal ausprobieren. Dazu kamen weitere Gerichte, die im Kugeltopf gekocht werden sollten: Zwiebel-Karotten-Gemüse (S. 64, 7.), gedünstetes Hähnchen (S. 85, 3.) und Hirse (S. 65, 9.). Zum Mittagessen sollte es Rühreier aus der Pfanne geben (S. 116, 18.).

Alle Rezepte könnt ihr hier nachlesen.

Umsetzung

Topf einkochen

Ich hatte vorher schon versucht, den Topf mit Hilfe von zarten Haferflocken und Wasser dichtzukochen. Dies hatte aber nicht funktioniert. Nachdem der Haferbrei entfernt war, tropfte der Topf immernoch. Diesmal wollte ich neben den Haferflocken auch Milch und Zucker verwenden, damit diese Mischung einen richtig klebrigen Brei ergibt, der sich in den Ritzen festsetzt. Also setzte ich den Topf mit Haferflocken, Wasser und Milch auf das Feuer. Als diese Mischung anfing zu köcheln, fügte ich noch Zucker hinzu. Der Topf blieb so den ganzen Tag auf dem Feuer und wurde von Zeit zu Zeit umgerührt. Der Topf zum Einkochen auf dem Feuer

Zunder herstellen

Unser früheres Gruppenmitglied Denise hatte vor langer Zeit schon einmal das Experiment Zunder aus Baumpilzen herzustellen versucht. Allerdings hatte ihre Großmutter den Gestank der in Urin eingelegten Zunderpilze nicht ertragen und diese vernichtet. Von Wolf (familia de Corbecki) erfuhr ich dann, dass man auch Leinenreste als Zunder verwenden könne und wie man diese behandeln müsse, damit das funktioniert:
Man nehme eine gut schließende Teedose, mache Löcher in den Deckel, gebe die Leinenreste hinein und ließe die Dose solange im Feuer, bis weißer Rauch aus den Löchern im Deckel entwiche.
Als alte Teetrinkerin hatte ich genügend Dosen zur Auswahl und habe eine davon mit Leineresten gefüllt und ins Feuer geworfen. Ich war gespannt, wie lange es dauern würde, bis sich weißer Rauch sehen lässt und ganz überrascht, dass es so schnell ging. Es dauerte keine fünf Minuten, da quoll weißer Rauch aus der Teedose hervor. Diese dann wieder aus dem Feuer zu nehmen, erwies sich als schwieriger als gedacht, da die Feuerzange immer wieder an der glatten Dose abglitt. Dann gelang es aber doch und ich stellte die Dose, welche fast vollständig ihre Lakierung verloren hatte, in eine Ecke des Herdes zum Auskühlen.
Jetzt bleibt noch die Frage, ob und wie man diese Methode im Mittelalter, welches ja keine Aluminiumdosen kannte, anwenden konnte.

Abendessen in Kugeltöpfen kochen

Da ich schon mehrfach verschiedene Breie zubereitet hatte, wollte ich jetzt mal etwas Anspruchsvolleres versuchen. Nicht nur, dass das Hähnchen zunächst in der Pfanne angebraten werden sollte und dann in einen Kugeltopf zum dünsten überführt wurde. Auch dass ich auf drei "Platten" gleichzeitig kochen wollte. Und da gab es Probleme. Leider hatten wir nach dem Mittagessen, die Glutvorbereitung für die Kugeltöpfe etwas schleifen lassen, so dass wir nur Glut für einen Topf hatten. Hierauf beschlossen wir zunächst, auf die Hirse zu verzichten, da wir ja noch Brot vom Mittagessen hatten. Doch als die Suppe und das Hühnchen auf der Glut waren - das Gemüse hatten wir vorher schon in die Glut gestellt - war immer noch zu wenig Kohle da.
Wir beschlossen also, da wir auch zu einem fixen Zeitpunkt die Burg verlassen mussten, das Abendessen ausfallen zu lassen. Wir waren eh noch alle satt vom späten Mittagessen. Die Kugeltöpfe wurden samt Inhalt eingepackt und nach Hause transportiert, wo ich die Gerichte fertigkochen und für die nächste Veranstaltung einfrieren wollte.

Ergebnisse

Topf einkochen

Nachdem wir die eingekochte Milch-Haferflocken-Zuckermischung aus dem Topf entfernt hatten, erwies sich leider die Kruste als zu eingebrannt und lies sich nicht entfernen. Auch lekt der Topf leider immer noch. Also ist dieses Projekt als nur teilweise erfolgreich abgeschlossen zu bezeichnen. Ich werde auf den nächsten Veranstaltungen also das Projekt "Kochtopf von der eingebrannten Kruste befreien" haben. Hoffentlich löst sich dadurch nicht auch die Dichtung in den Ritzen wieder! Der Topf nach den Reinigungsversuchen

Zunder herstellen

Dies ist als das einzig erfolgreiche Projekt des Tages - jedenfalls von meiner Seite aus - zu bezeichnen! Nachdem die Dose abgekühlt war, öffnete ich sie und zum Vorschein kamen halbverkohlte Leinenstücke. Ich versuchte auch gleich mit Feuerstein und Schlageisen einen Funken auf meinem neuen Zunder landen zu lassen, was auch nach einer relativ kurzen Zeit funktionierte. Das Leinen hat sofort angefangen zu glimmen. Leider hatte ich jedoch kein Kleinholz vorbereitet, so dass ich kein richtiges Feuer entfachen konnte. Aber geglimmt hat das Leinenstück noch eine ganze Weile! Verkohlte Leinenstücke

Abendessen in Kugeltöpfen kochen

Das Gemüse erwies sich als bereits gar. Aber das hatte ja auch genügend Zeit auf genügend Glut verbracht. Ich musste es nur noch mit meiner selbsterstellten Gewürzmischung nach S. 70, 10. würzen und, nachdem es vollständig erkaltet war, einfrieren.
Auch das Hähnchen wäre eigentlich verzehrfertig gewesen, da es ja bereits angebraten worden war. Da das Rezept aber noch einen weiteren Garvorgang beinhaltete und auch noch weitere Zutaten vorsah, werde ich dies auf der nächsten Veranstaltung wohl einfach nachholen.
Kommen wir zur Käsesuppe, auf welche wir alle sehr gespannt waren. Leider war der Käse, als ich die Suppe aus dem Kugeltopf in einen normalen Topf umfüllte, schon recht verklumpt. Dies änderte sich auch nach etlichen Stunden auf dem Herd nicht mehr. Egal wieviel ich rührte, egal ob ich es leise köcheln oder mit voller Kraft aufkochen lies, die Suppe bestand nur aus ausgekochtem Fett mit einem dicken, unappetittlichen Käseklos. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als beides zu entsorgen. Käseklos in Fettsuppe

Abschlusskritik

  • Habe immer genügend Glut vorrätig, wenn du mit Kugeltöpfen kochen willst!
  • Rühre deine Käsesuppe und dein Essen im eisernen Topf von Anfang an gut um!

    Vielen Dank an meine Mitstreiter in der Küche, die mich mit Tatkraft, Schnippeln, Fotos machen und gutem Rat unterstützt haben!

    Weitere Impressionen dieses Tages findet ihr hier:
    Bilder von Daniel
    Bilder von Heike


    Maier, Robert (Hrsg.): Liber de Coquina - Das Buch der guten Küche,
    F.S. Friedrich Verlag, Frankfurt am Main 2005. ISBN 3-937446-08-7


    27.5.2011, Heike Amthor
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