An diesem Tag wollten wir die Möglichkeiten der Burg einmal für uns nutzen ohne einen straff organisierten Tagesplan für die Besucher der Burg im Hinterkopf. Dabei waren: Mirko und Heike von Viatores Temporis. Micha, Anja, Daniel und Claudia von Projekt 1189 sowie Susanne, eine Freundin der Viatores Temporis.
Die Männer hatten sich Schmiedearbeiten ausgesucht und wir Mädels machten die Küche unsicher. Da unsere eigentlichen Köche arbeitsbedingt nicht mitkommen konnten, war das die Gelegenheit für mich Seltenkocherin mal ein paar Dinge auszuprobieren. Zum Einen wollte ich endlich unseren nicht mehr ganz so neuen genieteten Topf dichtkochen, zum Anderen wollte ich versuchen Zunder aus Leinenresten herzustellen. Dann hatte ich auch nach neuen Rezepten im "Liber de Coquina" gesucht und mir war eine "Käsesuppe" (S. 65, 11.) aufgefallen, welche sich sehr lecker las. Diese wollte ich einmal ausprobieren. Dazu kamen weitere Gerichte, die im Kugeltopf gekocht werden sollten: Zwiebel-Karotten-Gemüse (S. 64, 7.), gedünstetes Hähnchen (S. 85, 3.) und Hirse (S. 65, 9.). Zum Mittagessen sollte es Rühreier aus der Pfanne geben (S. 116, 18.).
Alle Rezepte könnt ihr hier nachlesen.
Umsetzung
| Unser früheres Gruppenmitglied Denise hatte vor langer Zeit schon einmal das Experiment Zunder aus Baumpilzen herzustellen versucht. Allerdings hatte ihre Großmutter den Gestank der in Urin eingelegten Zunderpilze nicht ertragen und diese vernichtet.
Von Wolf (familia de Corbecki) erfuhr ich dann, dass man auch Leinenreste als Zunder verwenden könne und wie man diese behandeln müsse, damit das funktioniert: Man nehme eine gut schließende Teedose, mache Löcher in den Deckel, gebe die Leinenreste hinein und ließe die Dose solange im Feuer, bis weißer Rauch aus den Löchern im Deckel entwiche. Als alte Teetrinkerin hatte ich genügend Dosen zur Auswahl und habe eine davon mit Leineresten gefüllt und ins Feuer geworfen. Ich war gespannt, wie lange es dauern würde, bis sich weißer Rauch sehen lässt und ganz überrascht, dass es so schnell ging. Es dauerte keine fünf Minuten, da quoll weißer Rauch aus der Teedose hervor. Diese dann wieder aus dem Feuer zu nehmen, erwies sich als schwieriger als gedacht, da die Feuerzange immer wieder an der glatten Dose abglitt. Dann gelang es aber doch und ich stellte die Dose, welche fast vollständig ihre Lakierung verloren hatte, in eine Ecke des Herdes zum Auskühlen. Jetzt bleibt noch die Frage, ob und wie man diese Methode im Mittelalter, welches ja keine Aluminiumdosen kannte, anwenden konnte. |
| Da ich schon mehrfach verschiedene Breie zubereitet hatte, wollte ich jetzt mal etwas Anspruchsvolleres versuchen. Nicht nur, dass das Hähnchen zunächst in der Pfanne angebraten werden sollte und dann in einen Kugeltopf zum dünsten überführt wurde.
Auch dass ich auf drei "Platten" gleichzeitig kochen wollte. Und da gab es Probleme. Leider hatten wir nach dem Mittagessen, die Glutvorbereitung für die Kugeltöpfe etwas schleifen lassen, so dass wir nur Glut für einen Topf hatten. Hierauf beschlossen wir zunächst,
auf die Hirse zu verzichten, da wir ja noch Brot vom Mittagessen hatten. Doch als die Suppe und das Hühnchen auf der Glut waren - das Gemüse hatten wir vorher schon in die Glut gestellt - war immer noch zu wenig Kohle da. Wir beschlossen also, da wir auch zu einem fixen Zeitpunkt die Burg verlassen mussten, das Abendessen ausfallen zu lassen. Wir waren eh noch alle satt vom späten Mittagessen. Die Kugeltöpfe wurden samt Inhalt eingepackt und nach Hause transportiert, wo ich die Gerichte fertigkochen und für die nächste Veranstaltung einfrieren wollte. |
Vielen Dank an meine Mitstreiter in der Küche, die mich mit Tatkraft, Schnippeln, Fotos machen und gutem Rat unterstützt haben!
Weitere Impressionen dieses Tages findet ihr hier:
Bilder von Daniel
Bilder von Heike
Maier, Robert (Hrsg.): Liber de Coquina - Das Buch der guten Küche,
F.S. Friedrich Verlag, Frankfurt am Main 2005. ISBN 3-937446-08-7
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